Chronische Erkrankungen – Eine Störung des Immunsystems

 

Oftmals reagiert unser Immunsystem mit einer Allergie auf eigentlich harmlose Pollen oder greift den eigenen Organismus an (Autoimmunerkrankung). Diese Immunreaktionen werden als Krankheit angesehen ohne das hinterfragt wird, was diesen Abläufen eigentlich zu Grunde liegt. Unser Immunsystem ist ein hochentwickeltes, überlebensnotwendiges System, welches sich über Millionen von Jahren ausgebildet hat. Alle immunologischen Mechanismen sind sinnvoll – denn sonst wären diese im Laufe der Evolution ausgestorben.

Chronische Entzündungen

 

Chronische Entzündungskrankheiten nehmen in unserer Bevölkerung immer mehr zu. Innerhalb der letzten 40 Jahre kam es zu einer Verdopplung bis Verdreifachung von Erkrankungen wie Asthma, Morbus Crohn, Multiple Sklerose (MS) oder Diabetes mellitus vom Typ 1.

 

Chronische Entzündungen - die "Epidemie" des 21. Jahrhunderts

Die Grafik ist aus dem New England Journal of Medicine, welche als eine der angesehensten medizinischen Fachzeitschriften gilt. Die Publikation (Bach JF) erfolgte im Jahre 2002. Wenn man den grafischen Verlauf der Erkrankungen weiterdenkt, dann kann man sich ausmalen wie es heute aussieht und wie es in 50 Jahren aussehen wird – keine angenehme Vorstellung.

Allergien zeigten in den letzten 20 Jahren eine Verdopplung.

Parodontitis (Parodontose) nahm in 20 Jahren um ca. 25% zu, trotz verbesserter Prophylaxe und Prävention.

Erschreckend ist zudem, dass es keine kausalen (ursachenbezogenen) Therapieansätze für chronische Erkrankungen gibt.

Allergien, Autoimmunerkrankungen und chronische Infektionen nehmen in er "westlichen Welt" zu

Immunabwehr und Immuntoleranz

 

Das Immunsystem ist dafür konzipiert das Überleben des Wirtes durch Immunabwehr zu sichern, aber gleichzeitig eingedrungene und ungefährliche Teile der Aussenwelt zu tolerieren. Pollen gab es in der Atemluft schon immer und wird es auch immer geben –  sie sind für den Menschen per se harmlos. Kuhmilch allein stellt keinen Grund dar eine immunologische „Überreaktion“ zu veranlassen. Ein optimal arbeitendes Immunsystem greift Milchproteine oder Pollen nicht an.

Auch kann das Immunsystem zwischen fremd und körpereigen unterscheiden. Zum Beispiel greift ein perfekt funktionierendes Immunsystem Schild- und Bachspeicheldrüse niemals an.

Zusätzlich kann unterschieden werden zwischen pathogenen (schädlichen) Erregern und solchen die für den Organismus harmlos sind. So attackiert das Immunsystem Mundflora und Darmflora nicht, sondern toleriert diese.

Ein perfekt funktionierendes Immunsystem beherrscht immer Angriff und Toleranz. Krankmachende Erreger oder Tumorzellen werden eliminiert und gleichzeitig werden körpereigene Zellen, ungefährliche Mikroorganismen und unbedeutende Allergene geduldet.

Alle chronischen Entzündungen beruhen auf dem Verlust der Immuntoleranz.

Körpereigene Zellen, harmlose Fremdstoffe und unschädliche Mikroorganismen werden als Gefahr eingestuft. Das Immunsystem schaltet auf Angriff um. 

Leider können wir uns vor diesen fehleingeschätzten „Gefahren“ nicht verstecken, sodass das Immunsystem ununterbrochen auf Hochtouren arbeitet. Eine chronische Entzündungskrankheit entwickelt sich.

Umwelteinflüsse – Ursachen für den Verlust der Immuntoleranz

 

Häufig hört man Begriffe wie Immunschwäche, schwaches Immunsystem oder Immundefekt. Man stellt sich vor, dass das Immunsystem nicht in der Lage ist Eindringlinge abzuwehren und zu bekämpfen. Jedoch haben nur die wenigsten Menschen ein Immunsystem, welches Angriff und Verteidigung nicht beherrscht. Die meisten, mit nur wenigen Ausnahmen, leiden unter einer gestörten Immuntoleranz.

Besonders Menschen in westlichen, hochentwickelten Industrienationen zeigen eine gestörte Immuntoleranz. Personen in Städten sind häufiger betroffen als diejenigen die auf dem Land leben. Folglich kann die Ursache keine Genetik sein. Auch das Argument des immer höher werdenden Lebensalters, ist nicht die Ursache – denn die meisten chronischen Erkrankungen treten vor dem fünfzigsten Lebensjahr auf.

Die Ursache für das Erliegend der Immuntoleranz sind multiple Belastungen durch Umweltfaktoren.

Einige Umweltfaktoren, die sich in den letzten 40-50 Jahren verändert haben:

  • Chemikalien in unserer unmittelbaren Umgebung (Wandfarben, Bodenbeläge, Möbel oder Kleidung)
  • Fremdmaterialien im Mund und im Körper (Zahnmedizin, Kieferorthopädie, Orthopädie, Chirurgie)
  • Fremdstoffe in Lebensmitteln (Konservierungsmittel, Blechdosen, Plastikverpackung, Pestizide, Herbizide)
  • Impfungen
  • Kosmetika
  • Lärmbelastung
  • Mobilfunkbelastung und elektromagnetische Felder
  • Erhöhter Stress
  • Schadstoffe durch Autoabgase und Industrie

Jede dieser Umweltfaktoren wirkt als ein Triggerfaktor für das Immunsystem. Je nach individueller Empfindlichkeit bricht früher oder später die Immuntoleranz zusammen. Das Immunsystem schaltet um auf Angriff. Das nun aggressive Immunsystem führt zu Allergien, Autoimmunerkrankungen und chronischen Entzündungen.

Mit zunehmender Umweltbelastung des einzelnen Menschen nimmt die Immuntoleranz weiter ab. Beim Erreichen einer individuellen Schwelle kommt es zum Ausbruch der Krankheit. An diesem Punkt kann das biochemische Gleichgewicht nicht mehr aufrechterhalten werden und das Immunsystem verursacht unkontrolliert eine chronische Entzündung. Die individuelle Schwelle wird grösstenteils von der Genetik bestimmt, wobei die Genetik nicht die Ursache für den Toleranzverlust ist.

Karriereleiter des Patienten bei chronischen Entzündungserkrankungen

Chronische Entzündungserkrankungen werden multikausal hervorgerufen bzw. haben viele Ursachen, die sich gegenseitig verstärken und ab einer Schwelle zur Erkrankung führen.

Ziel ist es folglich, die Trigger so gut wie möglich zu beseitigen bzw. beseitigen zu lassen Dadurch kann man sein Immunsystem unter der Schwelle halten oder wieder unter die Schwelle bringen.

Oxidativer Stress, Nitrosativer Stress und Mitochondriopathie

 

Die oben aufgeführten Umweltfaktoren induzieren immer eine Immunaktivierung. Da die Triggerfaktoren dauerhaft wirken, rufen sie dementsprechend eine dauerhafte, chronische Immunaktivierung hervor.

Während der Evolution hat das Immunsystem verschieden Mechanismen entwickelt um tödliche Organismen abzuwehren. Diese Mechanismen verstärken sich gegenseitig, führen zu einer akuten Entzündung und töten die schädlichen Eindringlinge innerhalb von Tagen bis Wochen ab. Ein entscheidendes Abwehrsystem ist die Produktion von reaktiven Sauerstoff-Verbindungen (reactive oxygen species = ROS) und reaktiven Sickstoff-Sauerstoff-Verbindungen (reactitive nitrogene species= RNS). Dieser Mechanismus ist sehr effektiv und nützlich für das Überleben.

Ein Problem entsteht bei dauerhafter Immunaktivierung durch unsere Umwelt. Es werden, über längere Zeit, grössere Konzentration der ROS und RNS gebildet, was zum oxidativen und nitrosativen Stress führt. Die gebildeten freien Radikale schädigen die Mitochondrien und führen zu einer Mitochondriopathie (gekennzeichnet durch ein Mangel an ATP = Mangel an Energie). Nitrosativer-, oxidativer Stress und Mitochondriopathie aktivieren wiederum das Immunsystem –  es entsteht eine Art Teufelskreis.

 

Ursachen chronischer Erkrankungen, Abbildung modifiziert nach Pall

Kreislauf chronischer Erkrankungen – Laborparameter (rot)

Der gestörte Regelkreis führt zu einer Hemmung der Immuntoleranz und letztendlich zur Ausbildung neuer Überempfindlichkeiten auf Umwelteinflüsse. Die neuen Sensibilisierungen stimulieren wiederum das Immunsystem, wodurch der Regelkreis erneut angefacht wird.

Bakterien, Viren, Pilze, Metalle, Kunststoffe, Weichmacher, Stress, Elektromagnetische Felder usw. wirken proentzündlich als Immunsystem-Trigger und rufen, durch Störung des Regelkreises, zur Unterdrückung der Immuntoleranz.

Symptome der chronischen Entzündung und wie sie entstehen

 

Die aktivierten Immunzellen produzieren grosse Mengen an proentzündlichen Botenstoffen (z.B. Interleukine, Interferon Gamma, Histamin), um das gesamte Immunsystem zu aktivieren – schliesslich soll der unerwünschte Eindringling schnell und effektiv beseitigt werden.

Das aktivierte Immunsystem benötigt viel Energie – etwas 2,4 Mal mehr als ein passiv arbeitendes Immunsystem. Berechnungen aus der Universität Regensburg zeigten, dass der tägliche Energiebedarf eines aktivierten Immunsystems bei 2000 – 2200 kJ liegt – dies beträgt ca. 25 % des Grundumsatzes.

Damit das überlebensnotwendige Immunsystem genügend Energie bekommt, beeinflussen die proentzündlichen Botenstoffe weitere Abläufe im Organismus.

  • Abbau von Fettgewebe, Muskelgewebe, Knochengewebe, Bindegewebe und sogar Haut und Schleimhaut (=katabole Stoffwechselprozesse), um Baustoffe für das Immunsystem zu bekommen. Die Symptome sind z.B. Gewichtsverlust, Muskelschmerzen, schlaffe Haut, Osteoporose oder Parodontitis. Symptome einer chronischen Fibromyalgie sind vorhanden.
  • Beeinflussung des Nervensystems mit Symptomen wie Fieber, verminderter Appetit, Müdigkeit, Depression. Das kranke Tier soll in der Höhle bleiben, sich erholen und kein notwendiges ATP vergeuden.
  • Beeinflussung des Hormonsystems, wobei mehr Kortisol, jedoch weniger Testosteron und Östrogen gebildet werden. Die Symptome sind Insulinresistenz und Verlust der Libido. Durch die Insulinresistenz (durch hohen Kortisolspiegel hervorgerufen) wird verhindert, dass Glucose in die Muskelzellen aufgenommen werden kann. Somit steht mehr Glucose für das Immunsystem zur Verfügung.
  • In den Gefässen erhöht sich die Atherosklerose (=Arterienverkalkung = Arteriosklerose). Das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall steigt an.

Insgesamt versuchen die aktivierten Immunzellen das gesamte Immunsystem zu aktivieren, notwendige Substanzen bereitzustellen und die Energie auf die Seite des Immunsystem zu verlagern. Die Symptome sind Teil der Aktivierungsreaktion des Immunsystems.

 Bei einer Entzündung wird viel Kortisol gebildet, um die Immunreaktion zu kontrollieren. Kortisol wird in der Nebennierenrinde gebildet. Bei einer langandauernden chronischen Entzündung kann es zu einer zunehmenden Erschöpfung der Nebennieren kommen (Nebenniereninsuffizienz) mit weitreichenden Folgen.

Die Dauerbelastung mit unterschiedlichen umweltbedingten Triggern ist nicht natürlich. Dementsprechend konnte während der Evolution keine Anpassung des Immunsystems stattfinden. Unser Immunsystem reagiert auf einen Trigger mit einer Immunaktivierung. Bei einer akuten Entzündung ist dieser Mechanismus bewährt und sinnvoll. Die heutigen Trigger rufen jedoch eine dauerhafte Aktivierung des Immunsystems hervor. Eine solche chronische Entzündung ist für viele Krankheitssymptome verantwortlich und stört das biologische Gleichgewicht des Organismus nachhaltig.

 

Wodurch wird die Immuntoleranz noch gestört?

 

Neben chronischen Entzündungen gibt es einige weitere Faktoren, die die Immuntoleranz negativ beeinflussen:

  • T-Zellaktivierung
  • Gestörtes Säure-Basen-Gelichgewicht
  • ATP-Mangel (Mitochondriopathie)
  • Mangel an Vitaminen, Mineralstoffen und besonders Spurenelemente

Jeder Mensch besitzt in seinem Immunsystem 1010 verschiedene Sorten von T-Zellen. Jede dieser T-Zell-Arten hat einen unterschiedlichen Rezeptor – eine T-Zelle ist masernspezifisch, eine anderen ist nickelspezifisch und wiederum eine andere ist methacrylat-spezifisch. Von jeder einzelnen Sorte gibt es nur sehr wenige. Durch diese Vielfalt an T-Zellen ist unser Immunsystem auf alle möglichen Strukturen vorbereitet, sogar auf solche, die von der Chemieindustrie noch nicht einmal erfunden wurden.  Wir sind folglich auf alle Molekülstrukturen vorbereitet, auf die unser Körper in der Embryonalphase nicht in Kontakt gekommen ist. Jedes Antigen aktiviert seine eigene passende T-Lympozyten und sorgt dafür, dass sich diese teilen und Gedächtniszellen ausbilden. Diese produzieren proentzündliche Botenstoffe und aktivieren das Immunsystem zusätzlich.

Regulatorische T-Zellen können die T-Lymphozyten an der Proliferation (Teilung) hintern und eine allergische Reaktion unterdrücken. So kann der Organismus Kuhmilch-Proteine, Nickel, Palladium oder Kunststoffe tolerieren.

Bei chronischen Entzündungen und bei übermässiger Aktivierung der T-Lymphozyten durch Umweltfaktoren kann das Immunsystem eine gestörte Immuntoleranz auf einige Stoffe entwickeln (z.B. Allergie auf Nickel oder Kuhmilch). Der Grund liegt unter anderem im Energiemangel des Immunsystems. Durch fehlende Ruhe und die mangelnde Versorgung mit wichtigen Bausteinen kann der notwendige Energiebedarf nicht aufrechterhalten werden. Eine perfekte Funktion ist nicht möglich, sodass in erster Linie eine Störung in der Immuntoleranz auftritt.

Eine Ernährung mit überwiegend säurebildenden und weinig basenbildenden Lebensmitteln stört zusätzlich die Immuntoleranz. Zuckerhaltige und getreidehaltige Lebensmittel, Milchprodukte (ausser etwas Butter und Ghee), Schweinefleisch, Alkohol, Kaffee und schwarzer Tee sollten gemieden werden. Fleisch und Eier sollten von bester Qualität sein und in moderaten Mengen gegessen werden. Generell sollte die Nahrung so natürlich und unverarbeitet wie möglich verspeist werden.

 

Rolle der Zahnmedizin bei chronischen Erkrankungen

 

In keinem anderen medizinischen Bereich wird so viel mit Werkstoffen gearbeitet, wie in der Zahnmedizin. Kunststoffe, Zemente, Wurzelfüllmaterialien, Metalle usw. können starke Trigger des Immunsystems sein und Unverträglichkeiten hervorrufen. Die in die Mundhöhle eingesetzten Materialien wirken 24 Stunden am Tag und können eine nicht unerhebliche Belastung darstellen. Das Immunsystem wird aktiviert und die Immuntoleranz wird gestört. Allergien können neu entstehen, die damals nicht vorhanden gewesen sind (z.B. Reaktion auf jahrelange Goldfüllungen). Entzündungsherde im Kiefer (z.B. an toten Zähnen oder nach einer Zahnentfernung) können dauerhaft persistieren und weitere Entzündungen im Organismus ankurbeln.

Neben der immunologischen Wirkung der zahnärztlichen Werkstoffe ist natürlich die toxikologische Belastung nicht zu vernachlässigen. So ist z.B. Quecksilber aus Amalgam ein extrem giftiges Element, welches in der Lage ist, Enzyme zu Blockieren und die Zellfunktion zu stören.

Ziel der Umweltzahnmedizin - Den Weg auf der "Karriereleiter" stoppen

Die Trigger aus der Zahnmedizin wirken zusammen mit anderen umweltbedingten Trigger-Faktoren und verstärken sich gegenseitig. Chronische Erkrankungen können vermieden, beseitigt oder verbessert werden, wenn die jahrelangen Trigger und Herde aus der Mundhöhle entfernt werden. Der Patient kann dadurch unter die Symptomschwelle gebracht werden, seine Lebensqualität zurückgewinnen und seinen gesundheitlichen Zustand normalisieren. Eine enge Zusammenarbeit mit erfahrenen Medizinern, Heilpraktikern und mikrobiologischen Laboratorien ist für die Diagnostik und die Therapie sehr wichtig.

VonBaehr, V. Chronische Erkrankungen

Straub (2015) Die räumliche Energieverbrauchskonfiguration (SEEC) und mögliche Anwendungen im Tiermodell der Arthritis

Institut für medizinische Diagnostik Berlin